Enttäuschung/Desillusion

„Oft lässt Dich erst eine große Enttäuschung endgültig in der Realität ankommen.“

Desillusion (lat.) bezeichnet eine Enttäuschung oder eine tiefgreifende negative Erfahrung, die zu Resignation führen kann. Dabei kommt es zu einer Erkenntnis, die eine vorherige Interpretation der Tatsachen als falsch erkennt oder gar einen Teil oder das gesamte bisherige Weltbild infrage stellt.

Der Begriff Desillusion ist oft negativ konnotiert. Streng genommen muss aber der Begriff Illusion genauso eingeordnet werden, da mit der Bezeichnung „Illusion“ diese bereits als solche erkannt und somit die Desillusion bereits eingetreten ist. Dieser Sachverhalt findet sich auch bei dem Begriffspaar Enttäuschung und Täuschung. (wiki)

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Da kannst Du Erklärungen suchen, soviel Du willst: Weh tut es trotzdem. Anscheinend war eine Freundschaft gar keine. Freunde wischt man nicht einfach weg. Du hast Dich verändert, Du passt nicht mehr in mein Weltbild. Jahre, die anscheinend nichts mehr zählen, gemeinsames Durchstehen von einschneidenden Lebensereignissen.

Nun denn: Aufstehen, Staubabwischen, und weiter auf meinem Weg.

„Manchmal wird man von anderen enttäuscht und manchmal enttäuscht man andere.“

Sommerpause

Im Moment bin ich nicht sehr mitteilungsbedürftig. Weder hier noch „draußen“. Mein Telefon zuhause hat diese Woche sage und schreibe 1 x geklingelt. Manchmal frage ich mich, wie das später mal werden soll. Völlig vereinsamt. Ich bin nicht gut, im Freundschaften pflegen.

Meiner Lieblingskollegin habe ich am Samstag das Buch über sie „Ausnahmezeit“ übergeben. Enthalten sind die Texte aus der Rubrik „Chemo und Co.“ sowie viele Bilder dazu. Damit habe ich nun auch ein Buch geschrieben, aus dem Bloggen heraus. Mit allen Fipptehlern (Gruß an Irgendlink), die sich vom Gelesenen bis zum Gedruckten immer irgendwie reinmogeln.

Bis zum Schluß war ich mir unsicher, ob ich es ihr wirklich gebe. Es fühlt sich merkwürdig an, meine Gedanken, meine im anonymen Blog geposteten Momente ihr zu übergeben. Das ist sozusagen die erste reale Verbindung vom Blog zum Alltag.

Es hat sie begeistert und sie hat festgestellt, dass sie viele kleine Momente dieser besonderen Zeit, die ich niedergeschrieben hatte, schon längst wieder vergessen hat. Das ist gut so, ebenso wie es gut ist, dass sie festgehalten wurden.

So, auf in die 4. Woche ohne Mrs. G. – wenn es bleibt wie es bislang war, könnte es so bleiben 😉

.. wieder in die Stille der Sommerpause verschwindend …

Und sonst so?

Freitag heute. Gestern mal mit der Lieblingskollegin telefoniert.  Das bisschen was sie von der Arbeit hat mir schon wieder (immer noch) den Blutdruck in die Höhe getrieben. Da fielen Worte wie „verzweifelt, Haare-zu-Berge-stehen, übervoller Schreibtisch“.

Es geht ihr nicht gut, mittlerweile bei Tramal angelangt. Migräneartige Kopfschmerzen sind mittlerweile noch dazu gekommen. Jeder neue Chemozyklus bringt neues Leiden mit sich. Gut, dass übernächste Woche die letzte Behandlung ist.

Schade, dass ich so abgebaut habe und mein Ausnahmezeit-Projekt, das ich begonnen habe, so dünn wird hintenraus. Entkräftet eben, wie am Ende der Chemozyklen, was ja dann wieder passt.

Heute habe ich wieder Termin bei der Doktorin. Bei der Vorstellung nächste Woche wieder arbeiten zu  müssen oder meinen Urlaub zu genießen, fällt mir nix ein … immer noch leer ….  einen vor einiger Zeit geplante Mädelsfeier-Sonntag habe ich abgesagt, das wird mir zuviel, wenn am Montag dann noch mit dem einen oder anderen unangemeldeten Pfingstbesuch zu rechnen ist und mir so gar nicht nach Besuchssmaltalk ist sondern eher nach Löcher-in-den-Sommerhimmel-gucken ….

 

Stopp. Relativieren.

Der Blutdruck ist zu hoch.

Montagssingen hilft durch den Dienstag, Töchterlein zur Prüfung gefahren, die wohl ganz gut lief, mehr will sie gar nicht sagen, vermuten, denken, weil sie sich so gar nicht einschätzen kann.

Es will mir nichts einfallen, das ich bloggen könnte, was nicht mit Arbeit zu tun hätte …. und mit rumjammern, wo es doch sowas von unwichtig und neben sächlich ist und keinerlei Bedeutung hat. Wenn ich mich frage, ob das was im Moment läuft in 5 Jahren noch wichtig ist, muss ich sagen: NEIN. Wenn ich bedenke, was heute einer anderen Frau widerfährt und was in den letzten Montaten die Kolling durchgemacht hat und ob das in 5 Jahren relevant ist, lautet die Antwort Ja: sie werden sich an diesen und an alle anderen Tage dieses Brustkrebsjahres erinnern und es hat ihr Leben auf immer verändert.

Also, was jammere ich rum.

Schon viel zu lange nicht mehr über die Lieblingskollegin berichtet und gekümmert. Am vorletzten Samstag waren wir gemeinsam unterwegs, obwohl es ihr nicht wirklich gut ging. Trotzdem hat sie den Tag genossen. Der derzeitige Doce-Zyklus nimmt anders mit als das rote Zeug. Es nimmt fast mehr mit. Und es ist absehbar, dass das mit der nächsten, vorletzten Dosis noch stärkere Nebenwirkungen zeigt.

Hautrötungen, Gelenkschmerzen, Schlappheit, Schwindel, Schmerzen beim Wimpernverlieren, jede einzelne verabschiedet sich mit Schmerz, als wolle sie gar nicht gehen. Wir haben festgestllt, dass eine Brille in dieser Zeit sehr hilft, Farbe ins Gesicht zu packen, denn Kajal und Lidschatten/Strich ist derzeit gar nicht möglich. Sie fühlt sich schlapp und kein Tag ist ohne Ibus und Novalgin zu bewältigen, aber was solls, darauf kommt es nun auch nicht mehr an.

Gerade gestern hat sie mit Entsetzen festgestellt, dass es ihr anfängt besser zu gehen und nächste Woche schon die nächste Dosis bereitsteht. Sie mag nimmer, hat es satt und will dass es ein Ende hat. Wenigstens hilft das neue Zeug auch gegen Hirntumore, Magen- und Lungenkrebs – frau muss ja allem noch was Gutes entlocken. Noch gute vier Wochen dann ist es überstanden, danach noch Bestrahlungen und anschließend 5 Jahre Anti-Hormontherapie ….

Ich bedauere es, dass ich nicht mehr so nahe dran bin und mir die Kraft fehlt, mehr für sie zu tun, mich ihr mehr zu widmen. Aber ich schaffe es ja noch nicht mal mich angemessen um mich selbst zu küümmern. Zur Zeit scheint es fast, als ob sie diejenige ist, die mich die nächste Zeit besser überstehen lässt, als umgekehrt.

langer Freitag

Boah, was bin ich geschafft und der Tag hat noch nicht angefangen. Muss mir unbedingt Zettel und Stift ans Bett legen, damit ich die Dinge, die mir am frühen Morgen einfallen aufschreiben und mich nochmal umdrehen und ein Stündchen weiterschafen kann.

Aber: ich freue mich schon mal auf den Samstag an dem es erstens warm wird und ich mich zweiten mit vielen anderen treffe um wieder mal einen unvergesslichen Frauentag zu erleben.

Die Lieblingskollegin kommt mit und bleibt solange sie das will und kann. Am Mittwoch war die 4. Chemo und damit gibts nun neue Nebenwirkungen, die noch nicht recht abzuschätzen sind.  Ich hatte ihr die Dokumentations-Kamera mitgegeben, da ich die Stellung im Büro halten musste. Gestern kam sie mal im Büro vorbei und hat zwei drei Dinge erledigt, das war gut, denn ich hatte just zu dieser Zeit irgendwie ne Blockade und es ging nix in den Kopf rein oder raus. Und das nur, weil ein Kunden mir unangenehmen Druck machte. Ich ärgere mich, wenn ich auf blöde Sprüche wie „das sind 100 und nicht 1000 Exmeplare, die ich Ihnen abends vorm Fernseher fertigmache, das muss diese Woche noch raus“, nix entgegenzusetzen habe.  Solchen Menschen braucht man nicht zu erklären, dass das so nicht stimmt, dass es noch andere Kunden und andere Aufträge gibt, dass es Produktionsabläufe gibt, die wegen 100 Exemplaren nicht einfach stillgelegt werden können …. sowas bringt mich an die Grenzen des Ertragbaren vor allem bei der Vorgeschichte zu diesem Auftrag.

So, genug gejammert. Auf in den Tag.