Endlichkeit

Still ists in mir in den letzten Tagen. Meine Stimmung ändert sich, ich werde ruhiger, je lauter da draußen der Weihnachtsrummel dröhnt. Dabei bin ich selbst wieder Teil davon. Durch die neuen Kontakte komme ich in fremde Wohnungen, sehe andere Lebenskonzepte. In der großen Runde nach dem Vorbreiten zum Weihnachtsmarkt fühle ich mich nicht mehr ganz so fremd, aber immer noch mit Abstand beobachtend. 

Vor 15 Jahren habe ich diesen liebenswerten Chaotenhaufen verlassen, weil das alles nicht mehr meins war. Feiern, trinken, gemeinsam auf- und abbauen von Veranstaltungen, zwischenmenschliche Verstrickungen, dörfliche Enge, Vertrautheit und doch kein wirkliches Gesehen werden oder  die anderen heranlassen, weil in mir alles schwierig und kompliziert war (und ist).

Heute wird immer noch so viel gesoffen, es hat sich nichts grundlegend geändert. Der tiefe Kern, die tiefere Bedeutung dieser Gemeinschaft hat was von Familie, Gemeinschaft. Damit konnte ich früher nicht viel anfangen. Ich hatte Gemeinschaft gesucht, um nicht mir meinem Kinde alleine zu sein, um nicht nur ihr sondern auch mir Möglichkeiten zum Austausch, zum rauskommen, unter Menschen zu gehen, zu geben. Der eine oder die andere weiss, dass ich nicht gut klargekommen bin, mit meiner Mutterrolle. Und diese Gemeinschaft konnte mich, ohne dass sie es wusste, auffangen. 

Das ging lange gut, bis ich feststellte, dass ich das, was ich suchte, dort nicht bekommen konnte. Ich habe mich gesucht, meine Innerstes, das was mich ausmacht. Das findet sich nicht in anderen, nicht in dem einen Geliebten, nicht in der anderen Affaire. Ich habe Brücken hinter mir abgebrochen, habe neue Kontakte, neue Perspektiven gesucht. Bin in neue Welten eingetaucht und habe die dunkelsten Winkel anderer Menschen und die meinen entdeckt. Durch mein Weggehen in eine andere Stadt und das hinter mir lassen des alten Lebens, die Übergabe der Verantwortung für mein Kind an den Vater, war der Grundstein gelegt für den späteren Zusammenbruch. Unabwendbar. Unvermeidbar. 

Heute, 10 Jahre nach dem Tiefpunkt, 15 Jahre nach dem Weggehen,  scheint alles unverändert, wie wir da alle um den Tisch sitzen und doch ist alles anders. 

Alle haben mittlerweile die Endlichkeit entdeckt, die früher so weit weg schien. 

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2 Kommentare

  1. Das ist vielleicht eins der Dinge beim Älterwerden: Die Entdeckung der Endlichkeit und Vergeblichkeit. Und dann werden wir altersmild. (Dadrauf warte ich noch …)
    Ein feiner Text, danke für diesen Einblick in dein Inneres.)

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  2. Birgit

     /  12. Dezember 2016

    Wie schon früher finde ich mich auch jetzt ganz oft wieder in deinen Texten 🙂

    Viele liebe Grüße

    Birgit

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    Antwort

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