Streets of Wiesbaden

Gestern stadtgebummelt mit einer Freundin. Dabei entdeckt: eine wunderbare Lederkappe in Rot. Die habe ich mir zurücklegen lassen, um nochmal ne Nacht drüber zu schlafen. Denn 99 Euro für ein Luxusteil auszugeben, fällt mir nicht leicht. Ich gönne mir solche Dinge selten. Es gibt wichtigeres. Morgen vielleicht Tierarzt oder eine andere unerwartete Rechnung …. aber vielleicht ja doch. Mal sehen ob der Wunsch morgen noch dringend und mir wichtig ist.

Vorm Parkhaus: „Excuse me, do you speak English?“ Ein Herr in Anzug, weißem Hemd, Krawatte und Mantel sprich mich freundlich an. Ja, klar spreche ich Englisch und schaue in ein erschöpftes Gesicht, das resigniert wirkt, zuviel Alkohol, zuwenig Freude, zuwenig Freunde. Er zeigt mir eine alte Zeitung „Atlanta“ kann ich lesen, sehe aber auch, dass die Zeitung mehr als alt ist, nicht an einem Datum sondern am Papier, das schon angegilbt ist und ein wenig knuddelig, dazwischen steckt irgendwas auf dem „DB Bahn“ steht, ein Bahnticket vielleicht. Einen Aktenkoffer hat er in er Hand. Wirkt wie aus der Zeit gefallen. Er erzählt mir was von broke up, Friends in Frankfurt, Train etc. etc. und ob ich ihm aushelfen könne mit 10 oder 20 Euro.

Ich will gar nicht mehr wissen von seiner geschichte. Habe auch keine Rettungsgedanken, will ihn nicht mit nach Hause nehmen (wie ich das früher vielleicht getan hätte). Sondern gebe ihm 20 Euro und denke mir, dass die ihn zwar über ein zwei Tage bringen, mehr aber auch nicht. Überlege mir wie erniedrigend es ist, Menschen um Geld anbetteln zu müssen und sei es, um damit dann eine Flasche Vergessen zu kaufen.
Dann kommt die Dankesrede …. Gott möge Dich und Deine Familie segnen für jetzt und immer …… eigentlich alles in allem eine runde Sache, sicher lange schon in Gebrauch und mit jedem Angesprochenen wird sie verfeinert, wird aber dadurch nicht wahrer, scheint doch beim Hinschauen das Elend durch.

Heute denke ich noch immer an ihn und sage meiner roten Lederkappe Tschüss, war nicht so wichtig.

http://youtu.be/COkya7N3pB8

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2 Kommentare

  1. Feiner Text. Ja, so verschieben sich die Prioritäten.
    Ich hätte vermutlich in ein Eintrittsticket fürs Frauenmuseum investiert. Da stellt zurzeit u. a. Luisa Francia aus.

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