Krude Kraushaargedanken – Erinnerungen

Vielleicht ist das Alleinebleiben wirklich meine Art zu leben, gut zu leben. Wobei mein Psychotherapeut damals sagte, dass der Mensch nicht dafür gemacht sein, alleine zu sein …. und eine Sehnsucht nach Nähe ist ja immer vorhanden …und fast durch den Freundinnenkreis abzudecken.
Bleibt dieses Fitzelchen mehr, das nicht da ist … das ist wie ein fehlendes Körperteil (und damit meine ich nicht das „beste Stück“ des Mannes), ein fehlendes Puzzelstück, die berühmte Prise Salz im Leben wie auch immer man es nennen will.

Vielleicht muss ich mich damit abfinden – so wie es meine Oma mütterlicherseits und auch meine Oma väterlicherseits es getan haben … die eine war der liebste Mensch der Welt, die andere verbiestert ohne Ende …

Mit heutigem Wissen sehe ich deren Alleinesein anders als früher. Es war gewähltes Alleinesein. Die eine war so Mitte 30 als sie Witwe wurde (1944), sie hat es geschafft, ihre beiden Kinder alleine großzuziehen. Als ihr Mann als vermisst gemeldet wurde, war die Kleine gerade geboren und der Große 9 Jahre alt. Die Nachkriegszeit mit 2 kleinen Kindern durchzustehen, macht sicher so stark, dass frau sich fragt, ob sie einen kriegstraumatisierten Mann an der Seite braucht. Die, die zurückkamen waren ja sicher zum großen Teil verheiratet und damals änderte sich daran ja nichts. „Für immer und ewig, bis dass der Tod uns scheidet.“ Und später als es dann auch Männer gab, deren Frauen verstorben waren und dringend eine Frau brauchten, die den Haushhalt am laufen hielt, wollte sie nicht die unbezahlte Haushälterin für einen Mann sein …. ich erinnere mich daran, dass das mal thematisiert wurde. Sex war da kein Thema und ich ja noch „Kind“. „Lieber ginge sie arbeiten“, um ihre kleine Kriegswitwenrente aufzubessern.

Die andere war Mitte 50 (1968), als mein Opa starb – da war ich 4. Die beiden hatten eine kleine Dorfkneipe mit Fremdenzimmern, die  erst in den 1990er Jahren geschlossen wurde. Ich kann mich an ein Bild erinnern:  „Krankenhaus, großes Zimmer, Blutfleck auf dem Bett …..“ Der Opa hat getrunken und ist an einer Säuferleber verstorben. Über die Ehe der beiden weiss ich nicht viel. Die Splitter, die ich erinnere lassen vermuten, dass sie auch damals schon verbittert und verbiestert war und er sich in den Alkohol flüchtete. Auch hier bleibt das Bild der starken Frau, die alles am Laufen und zusammenhielt. Und sie hatte die besten nicht-haben-wollen-Männer-Beispiele vor Augen (und ich damit auch). Die, die lieber in der Kneipe sassen als bei den Frauen zuhause. Sie hat mit denen immer geschimpft. Sollen zuhause essen und nicht bei ihr. Oder fragte, ob die Frau zuhause nicht für sie kochen würde. Krude Kindheitserinnerungen auch an diese Kneipengänger. Damit wurde mein Männerbild schon früh geprägt.

Mein Vater sass nicht exessiv in dieser Kneipe rum. Er war lieber zuhause. Er war die Ausnahme. Allerdings wollte ich auch nicht so einen Mann, der sich nach der Arbeit auf die Couch legte , den Fernseher anknipste und nach der Frau rief, wenn er Durst oder Hunger hatte …. das Zusammenleben meiner Eltern habe ich als sehr nebeneinander als miteinander erlebt. Er hat gearbeitet, sie war zuhause, hat aber immer der Oma in der Kneipe geholfen. Samstags wurde geputzt. Sonntags war der Vater auf dem Fußballplatz. Und Mittwochs. Und Donnerstags. Wann meine Mutter angefangen hat zu trinken, weiss ich nicht…. ich denke das war ein schleichender Prozess, der sich lange Jahre hinzog. Bis ich eine Ahnung davon kriegte, war ich schon über 25.

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

3 Kommentare

  1. Wir sind, was das Leben aus uns gemacht hat.
    Denke mal 20 Jahre zurück. Frau war unbedarfter und hat sich keine Gedanken über solche Dinge wie Beziehungen gemacht. Man lebte halt und ließ die Dinge mehr passieren.
    Dann kam das Leben und … um mal von mir zu reden … man (ich) wurde anspruchsvoller. Mit Grauen sehe ich auf andere Menschen, die in Beziehungen leben und sich an Kleinkram zermürben. Die klassische offene Zahnpastatube, der hochgeklappte Toilettendeckel, die liegengelassenen Socken. Dann sehe ich auf mein Leben zurück (das liest sich nun, als sei ich 70+…) und weiß, dass ich sowas nicht will! Denke an die Ehe meiner Mutter und mir wird schlecht bei dem Gedanken daran, wie leichtfertig man dies eine Leben, das man ja nunmal nur hat, verschenken kann.
    Vielleicht macht das Leben Menschen auch beziehungsunfähig, weil zu anspruchsvoll? Weil der Gedanke an Couchpotatos mich erschaudern lässt, weil ich mehr von einer Beziehung erwarte, als Gewohnheiten zu Leben?
    Vielleicht ist das Alleinsein gar nicht so schlecht? Frau darf sein, wie sie ist. Find ich gut!

    Gefällt mir

    Antwort
  2. S(tef)unny

     /  19. Februar 2014

    … wenn da die Sehnsucht nicht wäre, nach ein wenig mehr …. und nicht alle entweder in ihren Beziehungen „gefangen“ sind – und für heimlich Affairen bin ich (nicht mehr) zu haben – oder so überzeugt im Alleinesein, dass sie sich auf nichts Neues mehr einlassen wollen … vielleicht müssen wir noch älter werden, um wieder zusammenzukommen ? (Wir = wir alleine lebenden).

    Bis dahin bleiben meine Freundinnen, die wenigen, die auch über Entfernungen und lange Zeiten des Nichtsehens da sind, Anteil nehmen, mit denen ich lachen und weinen kann.

    Gefällt mir

    Antwort
  3. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär‘ :-/
    Der Mensch hat Sehnsüchte, Bedürnisse. Das zeichnet ihn aus. Aber krampfhaft suchen? ‚Austesten und Durchprobieren‘? Da wäre ich wieder bei den heuer höheren (vielleicht zu hohen) Ansprüchen.
    Manchmal denke ich, dass eine heimliche Affäre für mich vielleicht das einzig Lebbare sein könnte. Was dafür spricht, dass ich irgendwo vom Leben so sehr geprägt bin, dass ich meinen Freiraum brauche. Hab ich neulich mit einem Freund drüber diskutiert … Ich fühle mich schnell ‚eingesperrt‘. Mir wird ‚mehr‘ schnell zu eng. Wahrscheinlich, weil ich zu lange mein Ding mache?!
    Was auch immer, wenn es so sein soll, wird es passieren. Ich glaube ans Schicksal 😉

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

  • Meine Kunststückchen

    Die verlorene Insel

    Atlantis

  • Kategorien

  • Follow Stefunny's Weblog on WordPress.com
  • Archive

%d Bloggern gefällt das: