Haare

Meine Tante behält sie – allerdings darf sie nicht färben, den Chemie in der Chemo ist tabu. Gut, dass sie sich trotzdem Deko für den Kopf besorgt hat, denn Grau will sie partout nicht sein.

Meine Lieblingskollegin versuchts jeden Tag und hatte gestern Erfolg: Beim „Halten sie noch“-Test hatte sie die ersten Haare in der Hand, noch sitzen sie „relativ“ fest – der D-Day war auf den 7. März festgesetzt. Sie sieht so schön aus, mit der neue Kurzhaarfrisur.

Mit dem D-Day wird es dann sozusagen ernst, denn dann wird die Chemo für alle sichtbar.  Sie geht sehr offen mit ihrer Krankheit um, redet darüber, erzäht es jedem, der sie zur neuen, tollen Frusur beglückwünscht. Entweder erntet sie Betroffenheit oder Gegengeschichten. Selten einfach nur ein „Kopf hoch, das wird schon wieder“. Immer wieder erstaunlich, wie Menschen auf die Krankheit Krebs reagieren.

In Zukunft wird es sicher mehr und mehr passieren, dass krebskranke Menschen während der Chemo nicht krankgeschrieben sind, sondern arbeiten gehen, im Leben bleiben und nicht still im Kämmerchen leiden. Immer besser können die Einheiten dosiert werden und die Nebenwirkungen mit weiterer Chemie gedämpft werden. Vielleicht wird es irgendwann „verordnet“ arbeiten zu gehen, weil die Kosten für die KK zu hoch sind, um auch noch Krankengeld zu zahlen ….

Bislang ist der Krebs und die Chemo immer noch irgendwie unfassbar. Mit dem Haarfall kommt dann die Phase, des es-nicht-mehr-ignorieren-könnens. Damit wird die Krankheit seh- und spürbar.

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